2026 wird das «kurhotel kamor» eröffnet

Die Freilichtbühne Rüthi feilt am nächsten kulturellen Grossanlass für die Region. Im Stück «Kurhotel Kamor» will ein Investor mit viel Geld in einem Rheintaler Dorf alles auf den Kopf stellen.

Auf der grünen Wiese des Areals Werben grasen heute noch Pferde. Doch ziemlich genau in einem Jahr, vom 4. bis 26. September 2026, werden hier vor der Kulisse eines Grandhotels Kutschen vorbeisausen, Champagnerkorken knallen und Intrigen geschmiedet. Unter der Leitung des OK-Präsidenten Simon Büchel aus Rüthi arbeitet das Team seit rund einem halben Jahr an der neuen Produktion. Die künstlerische Leitung übernimmt erneut Simona Specker, die in Montlingen und Werdenberg aufgewachsen ist. Sie war bereits bei der letzten Aufführung «Der kopflose Reiter» für Regie und Inszenierung verantwortlich.

Was tun, wenn die Heimat zum Ausverkauf steht?

Das neue Stück spielt im Jahre 1919, in der Zeit des politischen und gesellschaftlichen Aufbruchs nach dem Ersten Weltkrieg. Während des Krieges wurde das Kurhotel Kamor als Lazarett genutzt, doch nun sind die Soldaten weg und das Hotel steht leer. Die erhofften Feriengäste bleiben aus. Für einen Neuanfang fehlt dem Nobelhaus das Kapital. In ihrer Not wendet sich die Hotelleitung an einen Investor aus Zürich. Dieser hat nicht nur grosse Pläne für das Kurhotel, sondern für den ganzen Ort. Die Dorfidylle soll spektakulären Touristenattraktionen, etwa einer Seilbahn, für Gäste aus aller Welt weichen.

Gegen den Investor und seine Vision formiert sich Widerstand. Als es zur Eskalation kommt, droht den Menschen im «Kurhotel Kamor» ein weitaus schlimmeres Schicksal als der finanzielle Ruin. Bündnisse zerbrechen, Affären kommen ans Licht und Träume werden begraben. Irgendwann kann nicht einmal der prickelnde Champagner den schönen Schein mehr aufrechterhalten.

Eigens für die Freilichtbühne geschrieben

Die Geschichte ist neu erfunden von Simona Specker und Autor Michael Rechsteiner. Sie logiere gern in alten, historischen Hotels, sagt die künstlerische Leiterin.

Wenn ich an solchen Orten übernachte, sauge ich den Zeitgeist auf. Man hat das Gefühl: Hier ist schon viel passiert. So bekam ich Inspiration für das Stück.

Simona Specker gab das grobe Gerüst der Geschichte vor, Michael Rechsteiner machte sich an die Feinheiten des Stücks. Er überlegte sich Handlungsstränge, zeichnete Charakterzüge der Figuren und schrieb die Dialoge.

Ein komplett neues Stück zu entwerfen, sei mit mehr Aufwand verbunden, als eine bestehende Geschichte auf die Bühne zu bringen. «Andererseits hatten wir alle Freiheiten», sagt Simona Specker. «Das ist mir fast sympathischer.» Wichtig ist ihr die Dialektpflege. Sie übersetzt das Manuskript in Rheintaler Mundart. «Ich baue gern urchige Wörter ein und lasse sie in den historischen Stücken der Freilichtbühne weiterleben.» Auch der namensgebende Berg des Stücks, der sich hinter Rüthi erhebt, macht Simona Specker Eindruck. «Der Name Kamor gefällt mir. Er ist wie gemacht für ein Theaterstück.»

Die Messlatte hoch setzen

Von den letzten Aufführungen ist sich das Publikum eine hohe Qualität und Detailverliebtheit gewohnt. Gibt es Steigerungspotenzial? «Wir wollen stets einen obendrauf setzen», sagt Simona Specker. Das sei die Herausforderung jeder Inszenierung.

Ich möchte ein Bühnenbild, wie man es noch nie gesehen hat bei der Freilichtbühne. Es gibt viel Glimmer, Glamour und Champagner.

Das Kurhotel soll einen Kontrast bilden zu einfachen Häusern und der ländlichen Umgebung. Das birgt Konflikte. Diese ziehen sich in der Geschichte weiter anhand der Gäste des Hotels und der Leute aus dem Dorf.

Es ist das zehnte Theaterstück, das der Verein seit der ersten Aufführung «Die schwarze Spinne» vor über 30 Jahren präsentiert. Die Freilichtbühne Rüthi ist das grösste und traditionsreichste Freilichttheater des Kantons St. Gallen. Simon Büchel, OK-Präsident, sagt: «Mit dem Schauspiel-Ensemble, Gastroangestellten und dem Publikum befinden sich gegen 800 Menschen pro Abend auf dem Theatergelände.» Rund 100 Personen stehen als Mitwirkende auf oder hinter der Bühne. Simona Specker ist überzeugt: «Gerade in einer zunehmend digitalen Welt ist dieses Kulturerlebnis von unschätzbarem Wert, denn es schafft echte Begegnungen und emotionale Nähe, wie sie kein Bildschirm vermitteln kann.»

Neuer Bauleiter, längere Spielzeit und höhere Kosten

Toni Good konnte als neuer Bauchef gewonnen werden. Der pensionierte Polier tritt die Nachfolge von Bruno Bösch an. Die Live-Musik wird Andi Loser komponieren. Während der Spielzeit soll es genügend Pausen für die meist berufstätigen Laien-Schauspielenden geben. Das OK entschied sich für die Verlängerung der Spielzeit um eine Woche, um Erholung und Ersatztermine bei schlechtem Wetter möglich zu machen. Dadurch sind die Aufwände im Bereich Infrastruktur, Technik und Inszenierung gegenüber früheren Produktionen deutlich gestiegen. Das Budget für die nächste Produktion beträgt 1’275’000 Franken. Langjährige Partner und Sponsoren tragen zum Gelingen bei.

 

Bericht: Hildegard Bickel für Der Rheintaler
Bilder:  Hildegard Bickel und Daniel Schwendener

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